Jemand, der sich wenigstens ansatzweise
mit der Aufnahme seiner eigenen Musik beschäftigt, steht quasi wie
der Ochs vorm Scheunentor, wenn er seine anfänglichen Rohaufnamen
mit einer beliebigen gekauften CD vergleicht. Der eigene "Sound" ist
einfach nur schlecht, wohingegen die gekauften Referenz- CDs brilliant,
warm, rauscharm - kurz gesagt - einfach rundum wohlklingend sind.
Wer seine eigenen Aufnahmen verbessern und nicht Jahre auf die
göttliche Erleuchtung warten will, der lese sich einfach die
folgenden Zeilen durch. Schon nach teilweisem Verständnis der
Tricks ist der erste große Schritt zu besseren Aufnahmen getan.
Natürlich kann ich hier nicht dem Anspruch auf umfassende
Vollständigkeit gerecht werden. Ich bin weit davon entfernt, alles
über das Thema zu wissen, zudem würde ich mich sicher auch
nicht als Profi titulieren. Einiges ist auch verkürzt und
vereinfacht dargestellt, dennoch finde ich folgende Zeilen für
blutige Mischpult- und Aufnahme- Anfänger erwähnenswert,
zumal ihnen so das mühsame selbständige Zusammentragen der
hier abgedruckten Informationen erspart bleibt.
Hilfe! Meine E-Gitarre und die Hammond- Orgel rauschen wie die Nordsee!
Auch hier kann man ganz knapp mit Lösung= "Denoiser" antworten.
Ein Denoiser macht das, was er mit seinem Namen schon
ankündigt, er entfernt (bzw. reduziert) hörbares Rauschen in
einem Musikstück. Einer meiner Bekannten bezeichnete mal im Rahmen
eines Gespräches über absolut rauscharmes Equipment einen
Denoiser als die "Pille danach" für Musiker. Sehr treffend, wie
ich finde. Es gibt mehrere verschiedene Ansätze ein
Musikstück zu entrauschen.
Einen inzwischen wohl sehr
bekannten Ansatz ist die Fingerabdrucksmethode.
Hier wird zuerst vom Rauschen ein charakteristischer Fingerabdruck in
Form einer verrauschten Musikpause genommen und nach mehreren
Gesichtspunkten analysiert. Mit dem daraus resultierenden Algorithmus
wird nachfolgend das gesamte Musikmaterial untersucht und alles
entfernt, was Ähnlichkeit mit dem genommenen Fingerabdruck hat.
Dieses Verfahren ist leistungsfähig, allerdings habe ich noch kein
damit entrauschtes Musikstück gehört, welches nicht eindeutig
hörbare, charakteristische, metallisch blubbernde Artefakte
aufwies.
Daher ist meines Erachtens immer
noch die klassische Methode des Denoisens die bessere. Hierbei bedient
man sich zum Entrauschen einiger psychoakustischer Kenntnisse. Zur
Funktionsweise eines solchen Denoisers bitte im Hörphysiologietext
unter "Grundrauschen" bzw. "Denoiser" nachsehen.
Es gibt sowohl analoge
Geräte wie auch digitale Umsetzungen, die nach dieser Methode
arbeiten. Der Denoiser der Firma Behringer ist ein sehr leistungsfähiges Gerät, leider aber nicht mehr im Verkauf.
Als Besitzer des Behringer
Denoisers snr2000 kann ich jedem, der Probleme mit Rauschen hat,
dringlichst dieses Gerät ans Herz legen. Bis zu einer
Rauschreduzierung von 30 dB kann man das Gerät unhörbar
arbeiten lassen. Erst bei extremerer "Belastung" geht die
Funktionsweise des Denoisers mit nun deutlich hörbaren
Rauschfahnen (aber auf jeden Fall ohne digital- Artefakte) in die Knie.
Leider hat dieses Gerät in Zeiten der Digitaltechnik einige Nachteile. Zum Einen ist es sehr unbequem, andauernd eine zu entrauschende Spur aus dem PC heraus durch die DA Wandler zum Denoiser zu schicken und danach durch die AD Wandler wieder zurück. Das gehtnur in Echtzeit und man hat beim Ergebnis keine nachträglichen Eingriffsmöglichkeiten. Zum Andern fügt man durch diese Methode neues Rauschen hinzu. Denn es gibt keine rauschfreie Analogübertragung eines Signals.
Da ich es leid war, diesen unbequemen Weg zu gehen, habe ich inzwischen selbst einen Denoiser namens "Dino Isa" als VST Plugin programmiert. Dieses Plugin arbeitet genau so gut wie ein analoger Denoiser (vielleicht sogar besser), und erzeugt keine digitalen Artefakte.
Den "Dino Isa"-Effekt kann man sich hier als Demo ansehen bzw. anhören und bei Gefallen für wenig Geld kaufen.
Denoiser.mp3
mein neuer "Dino Isa" Denoiser.mp3
Der Song ist auf der CD voll ausgesteuert klingt aber zu leise, was
tun?
Hier ist der Einsatz eines
Kompressors sinnvoll, er hebt vereinfacht dargestellt leise
Passagen in der Lautstärke an und schwächt laute Passagen im
Song etwas ab. Die Dynamik im Song wird geringer, die
Durchschnittslautstärke - und damit auch das
Lautstärkeempfinden - steigt bei nochmaliger Normalisierung
erheblich (hierzu bitte auch den Hörphysiologie- Text unter dem Punkt
"Psychoakustik" lesen).
Es gibt verschiedene Arten, einen
Kompressor einzusetzen. Ein analoger
Ein-(Frequenz-)Band-Kompressor eignet sich nur für eine
leichte Dynamikreduzierung des Musikmaterials, wenn diese
"unhörbar" bleiben soll, hat aber einen relativ warmen
Klangcharakter. Ein digitaler Kompressor (beispielsweise ein
Plug- in im HD- Recording- Programm oder ein externer Digital-
Kompressor) kann unhörbar einen erheblichen Einfluß auf die
Durchschnittslautstärke eines Songs nehmen, klingt aber je nach
Programmierart etwas härter und kristalliner als sein analoger
Urvater. Gute digitale Analogband- bzw.
Röhrenkompressions-Simulations-Programme machen aber inzwischen
bei ausreichender Audio-Auflösung (mehr als 16bit/44.1kHz)
klanglich einen so guten Eindruck, daß man den Analog und
Röhrenenthusiasmus ernsthaft hinterfragen muß. Die
stärkere Kompression ist durch ein digital vorausschauendes
Arbeiten möglich. Der Kompressor weiß vorher wie er das
demnächst kommende Audio- Material bearbeiten muß. Ein
analoger Kompressor kann hingegen (aus ersichtlichen Gründen) nur
"reagieren". Um so langsamer er reagiert, desto mehr dringen kurze,
heftige Peaks mit steiler Anstiegsflanke unbearbeitet in die
komprimierte Version des Songs durch. Allerdings muß hier
erwähnt werden, daß so ein "Anschlagsverhalten" eines
analogen Kompressores in bestimmten Situationen durchaus gewollt sein
kann, also nicht immer als negativ anzusehen ist. Im Falle einer
Lautstärkenmaximierung eines Stückes ist diese Arbeitsweise
generell nachteilhaft.
Ein digitaler Kompressor kann
auch (kostengünstig) wie eine andere analoge Variante arbeiten.
Damit sind wir bei der letzten (und teuersten Variante), einem analogen
Multi-Band- Kompressor .
Um die Vorteile digitaler und
analoger Audio- Verarbeitung zu vereinen, benutze ich beide Arten der
Kompression nacheinander im Song.
Der Song klingt zu dumpf, was
nun?
Zur Korrektur des Spektrums
benutzt man einen graphischen Equalizer "EQ". Hierbei ziehe ich einen
analogen Equalizer der digitalen Variante aufgrund des weicheren Klangs
vor. Erwähnen muß man hier auch der Vollständigkeit
halber, daß es von der Firma Steinberg ein Equalizer- Programm zur
automatischen Frequenzspektrum- Angleichung mit Namen "Free Filter"
gibt.
Aus den Tagen, an denen ich meine
Zeit mit einem kleinen Boss-BX8 Mixer verbracht habe, weiß ich
allerdings auch, welch seltsam krumm anmutender "linearer" Frequenzgang
aus so manchem Mischpult kommen kann. Dies kann beispielsweise an einer
zu gering dimensionierten Spannungsversorgung liegen, die bei starker
Auslastung des Mixers teilweise zusammenbricht oder der Fehler liegt an
einer zu geringen Ausgangsimpedanz des Mixers im Vergleich zur
Eingangsimpedanz der angeschlossenen Stereoanlage/Kassettenrecorder.
Ist dies der Fall, ist das Geld
in einem vernünftigen, neuen Mixer zumeist besser angelegt, als in
einem 2x30- Band Mega-Graphic-Equalizer.
Interessante
Frequenzbandverzerrungen bescheren uns auch Technologien, wie die
"Digitale Compact Cassette" = DCC und "Mini- Disc" = MD.
Als Eigentümer eines DCC aus der wirklich ausgereiftesten letzten
Generation kann ich angesichts der technischen Angaben in der
Bedienungsanleitung nur den Kopf schütteln. Obwohl in allen
Unterlagen von DCC und MD, die ich gesehen habe, ein Frequenzgang von
20 bis 20.000 Hz mit Abweichungen von höchstens 1 dB angegeben
ist, bringt die DCC mit Biegen und Brechen grade mal höchstens 15
kHz und die MD zwischen 18 und 19,5 kHz. Danach fällt der
Frequenzgang steilflankig ab.
Ohne Ultrafex II.ogg (0,4MB)
Server 1 -
Server 2
Mit Ultrafex II.ogg (0,45MB)
Server 1 -
Server 2
Hat man mit ein paar Handgriffen
am EQ oder am Ultrafex die Brillianz im Song zurückgewonnen, steht
man dann auch schon fast immer vor dem nächsten Problem:
Der Song
klingt zwar brilliant, aber die Zischlaute vom Sänger und die
Becken vom Schlagzeug braten mir die Ohren weg!
Die Arbeitsweise eines Deessers
kann auf verschiedene Mechanismen zurückgreifen.
Für das Deessing habe ich
zuerst einen digitalen Multi-Band- Kompressor benutzt und bin dabei
geblieben. Kann sein, daß es besseres gibt, ich bin mit meinen
Ergebnissen jedenfalls hochzufrieden.
weiter